Monte dei Paschi di Siena Rettung der Bank nach alten Regeln DER SPIEGEL

Die Banca Monte dei Paschi di Siena wurde 1472 gegründet und gilt als älteste noch bestehende Bank der Welt. Ihr Hauptsitz befindet sich in Siena.. Unter dem Vorstandsvorsitzenden Luigi Lovaglio, der sein Amt im Februar 2022 antrat, wurden die Sanierungsarbeiten mit Personalabbau, Filialschliessungen, der Veräusserung notleidender Kredite und Investitionen in die Digitalisierung deutlich vorangetrieben. In den letzten Jahren hat die Regierung die Mehrheit der Bank wieder privatisiert.

Die Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) ist ein italienisches Kreditinstitut mit Sitz in Siena. Sie wurde 1472 gegründet und gilt als die älteste existierende Bank der Welt. Die MPS-Aktie wird an der Borsa Italiana im Leitindex FTSE MIB gehandelt. Die Zentrale befindet sich im historischen Palazzo Salimbeni in Siena. Das Bankhaus besitzt bedeutende Kunstsammlungen des 14. bis 19. Jahrhunderts mit einem Schwerpunkt auf der sienesischen Schule.

Aufgrund seiner Systemrelevanz unterliegt das Institut der direkten Aufsicht durch die Europäische Zentralbank im Rahmen des Single Supervisory Mechanism (SSM).

Geschichte

Die Bank wurde 1472 in Siena als ein Monte di Pietà unter dem Namen Monte Pio gegründet und erhielt 1624 den heutigen Namen. Sie diente zunächst der Vergabe von Kleinkrediten gegen Zinsen, die niedriger waren als sonst üblich. 1568 kam es zu einer ersten Reform; 1624 wurden die Statuten erneut geändert. Großherzog Ferdinand II. besicherte die Bank mit staatlichen Einnahmen aus den Domänenweiden in der Maremma, den sogenannten Paschi. Zugleich dehnte das Haus seine Aktivitäten auf Gebiete außerhalb Sienas in die Toskana aus.

Einige Jahre nach der Gründung intensivierte sich die künstlerische Ausstattung des Hauptgebäudes. So wurde 1481 Benvenuto di Giovanni († 1518) beauftragt, ein Madonnen-Gemälde für den Palazzo Salimbeni anzufertigen. Anlässlich besonderer Ereignisse kamen weitere Werke hinzu, wie der Tote Christus von Lorenzo Rustici, die Abnahme Christi vom Kreuze von Arcangelo Salimbeni oder Jakobs Söhne von Francesco Vanni. 1644 sollte Raffaello Vanni eine Madonna mit Kind für den Eingang zur Kanzlei malen. Mit einer Leinwand von Valerio Adami mit einer Allegorie auf die Entstehung des Monte dei Paschi wurde diese Tradition im Rahmen des neu gestalteten Centro Direzionale wiederaufgenommen. Damit wollte das Haus seinen Einsatz für das künstlerische und kulturelle Erbe Sienas untermauern. Daher wurden gezielt Werke der Sieneser Schule aus dem 14. und 15. Jahrhundert gekauft; der Salimbeni-Palast gilt als herausragendes Museum in der Stadt.

Mit der Gründung des Königreichs Italien galt die Banca MPS als eines der Fundamente zur Finanzierung der Staatsausgaben und gab erstmals Bodenkredite aus (credito fondiario). Zwischen 1907 und 1930 entstanden Zweigstellen in Empoli, Florenz, Perugia, Neapel und Rom. Zugleich unterstützte der Monte die Gründung der Banca Toscana.

1936 wurde die Banca MPS durch ein Gesetz (‚legge bancaria‘) ein ‚Istituto di credito di diritto pubblico‘.
1990 ermöglichte ein Gesetz (‚legge Amato‘) diesen Instituten unter anderem eine Änderung ihrer Rechtsform.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang die Expansion in die bedeutenden Finanzzentren New York, Singapur, Frankfurt und London. 1990 bis 1994 gelang es der Bank als erster in Italien, sich im Banken-Versicherungsgeschäft anzusiedeln. Dazu entstand MontePaschi Vita. Zudem erwarb sie das Istituto Nazionale per il Credito Agrario (INCA) und 1992 Mediocredito Toscano. Diese beiden Bereiche für mittelgroße und langfristige Kredite wurden als MPS Banca per l’Impresa zusammengefasst; sie erwirbt Anteile ausländischer Banken in Belgien, in der Schweiz und in Frankreich.

Am 8. August 1995 dekretierte der Finanzminister (Ministro del Tesoro) die Gründung zweier Einrichtungen, nämlich der Fondazione Monte dei Paschi di Siena und der Banca Monte dei Paschi di Siena S.p.A. Die Banca war dabei für Versicherungs- und Bankgeschäfte zuständig, die Stiftung hingegen für wohltätige, aber auch für wissenschaftliche und Bildungsvorhaben sowie für Gesundheits- und Kunstprojekte. Kernbereich ist dabei die Stadt Siena mit der gleichnamigen Provinz.

1999 ging die Bank an die Mailänder Börse. In den Jahren 2000 bis 2005 erwarb sie mehrere Kreditinstitute mit starker lokaler Bindung, wie die Banca Agricola Mantovana mit dem Schwerpunkt Mantua. 2007 kaufte sie 55 % der auf kleine und mittlere Unternehmen spezialisierten Biverbanca – Cassa di risparmio di Biella e Vercelli, die etwa 700 Beschäftigte und 105 Filialen im Piemont, in der Lombardei, in Latium und im Aostatal aufwies. 2008 erwarb sie die Banca Antonveneta, wobei Schmiergelder gezahlt wurden. Das Kernhaus konzentrierte sich zunehmend auf Unternehmenskredite und auf Fragen der Corporate Finance.

Im Rahmen der globalen Finanzkrise kam auch der „Monte dei Paschi“ in finanzielle Schwierigkeiten, ausgelöst durch riskante und fragwürdige Geschäfte, wie etwa die Übernahme der Bank Antonveneta für 17 Milliarden Euro. Der Monte wurde, um einen Bankrott abzuwenden, mit vier Milliarden Euro Staatshilfen gestützt. Diesbezüglich kam es auch zu Kritik an EZB-Chef Mario Draghi, der im betreffenden Zeitraum Chef der italienischen Notenbank und dadurch der höchste Bankenkontrolleur des Landes gewesen war.

Die Bank nahm ein staatliches Rettungsdarlehen von 4,1 Milliarden Euro in Anspruch, das allerdings damit verbunden war, sich in eine staatliche Beteiligung umzuwandeln, falls es der Bank nicht bis 2014 gelungen sein sollte, eine Kapitalerhöhung um 3 Milliarden Euro zu bewerkstelligen. Die Aktionäre stimmten auf Empfehlung des Managements dieser Kapitalerhöhung im Januar 2014 am letzten Wochenende 2013 zu, jedoch akzeptierte die Stiftung diese Lösung erst für die Zeit nach dem 12. Mai 2014, weil sie die Zwischenzeit zum Verkauf oder zur Reduzierung ihres Anteils nutzen wollte.

Die Zahl der Beschäftigten war rückläufig. Im Jahr 2011 hatte man noch 31.170 und im Folgejahr 30.265 Mitarbeiter gezählt, 2013 waren es noch 28.417, 2014 fiel ihre Zahl auf 25.961 und 2015 auf 25.731. Mitte 2016 wies das Haus faule Kredite in Höhe von 47 Milliarden Euro auf.

Am 16. Dezember 2016 wies das Haus nur noch 10,6 Milliarden Euro liquide Mittel aus. Eine geplante Kapitalerhöhung, um Verluste bei der Auslagerung fauler Kredite auszugleichen, scheiterte am 22. Dezember 2016. Von den avisierten 5 Milliarden Euro konnten nur 2 Milliarden bereitgestellt werden. Am 26. Dezember 2016 teilte das Haus mit, die Europäische Zentralbank (EZB) habe einen Kapitalbedarf von 8,8 Milliarden Euro ermittelt. Daraufhin stützte die Regierung, die sich bereits am 20. Dezember durch das Parlament eine Kreditaufnahme von bis zu 20 Milliarden Euro hatte genehmigen lassen, um angeschlagene Banken im Notfall retten zu können, die Monte dei Paschi zum dritten Mal.

Mit dem Fondo Atlante rettete der italienische Staat das Kreditinstitut mit Genehmigung der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank, da viele Privatanleger in Aktien oder Anleihen investiert hatten. Im Zuge der staatlichen Unterstützung wurden Anfang August 2017 neue Aktien ausgegeben. Die Aufsicht der Borsa Italiana ließ die Aktie zum 25. Oktober 2017 wieder zum Handel zu. Die Bank wurde von der EZB wieder als solvent erklärt. Um bis 2021 wieder rentabel zu werden, sollten 600 der 2000 Filialen geschlossen sowie jede fünfte Stelle gestrichen werden. Ein geplanter Verkauf der Bank an die Konkurrentin Unicredit scheiterte im Oktober 2021.

Die Banca Monte dei Paschi di Siena wurde wieder solventer und wird an der Borsa Italiana im Index FTSE Italia Mid Cap gelistet. Die staatliche Beteiligung über das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen lag im März 2024 bei rund 26,7 Prozent. Im November 2024 verkaufte der Staat weitere 15 Prozent.

Nachdem die Banca Monte dei Paschi di Siena im September 2025 eine Mehrheitsbeteiligung an der Mediobanca erworben hatte, wurde im Februar 2026 die vollständige Integration des Instituts eingeleitet. Damit ging auch die strategische Beteiligung der Mediobanca an Italiens größtem Versicherungskonzern Assicurazioni Generali (rund 13,1 %) in den Konsolidierungskreis der MPS-Gruppe über.

Unternehmensstruktur

Die Montepaschi-Gruppe ist ein diversifizierter Finanzkonzern. Seit der Übernahme der Mediobanca-Gruppe im September 2025 gliedert sich das operative Geschäft in das klassische Privat- und Firmenkundengeschäft, das Investment Banking sowie digitale Finanzdienstleistungen.

Wichtigste Tochtergesellschaften

  • Banca Widiba S.p.A. (100 %): Die konzerneigene Digitalbank mit angeschlossenem Netzwerk von Finanzberatern.
  • Mediobanca S.p.A. (86,3 %): Ein im Investment Banking und Wealth Management tätiges Institut, das seit der Übernahme im September 2025 als konsolidierte Tochtergesellschaft der Gruppe geführt wird.
  • MPS Fiduciaria S.p.A. (100 %): Ein Dienstleister für treuhänderische Vermögensverwaltung.
  • Monte Paschi Banque S.A. (100 %): Französische Tochtergesellschaft mit Sitz in Paris.
  • SelmaBipiemme Leasing S.p.A.: Ein auf Mobilien- und Immobilienleasing spezialisiertes Unternehmen.

Beteiligungen

  • Assicurazioni Generali S.p.A.: Strategische Minderbeteiligung, die im Zuge der Mediobanca-Akquisition in den Konzernbereich überging.
  • Cirene Finance S.r.l. (60 %): Eine Zweckgesellschaft für Verbriefungstransaktionen (Asset-Backed Securities).

Anteilseigner

(Stand: März 2026)

  • 17,533 % – Delfin Sarl
  • 10.262 % – Caltagirone Group
  • 4,898 % – BlackRock
  • 4,863 % – Italienischer Staat über das Ministerium für Wirtschaft und Finanzen
  • 3,741 % – Banco BPM
  • 58,70 % – Streubesitz

Kennzahlen

Stand 31. Dezember 2025:

  • Bilanzsumme: 241,64 Mrd. EUR
  • Operative Erträge: 4,96 Mrd. EUR
  • Nettogewinn: 2,72 Mrd. EUR
  • Beschäftigte: 22.079

Siehe auch

  • Liste der größten Unternehmen in Italien

Publikationen

  • Enzo Carli: Sienesische Malerei vom 13. bis 16. Jahrhundert, Privatdruck des Monte dei Paschi di Siena, Electa, Mailand 1953.

Weblinks

  • Website der Banca Monte dei Paschi di Siena (italienisch, englisch)

Einzelnachweise


Palazzo Salimbeni Zu Weihnachten in Siena,

Palazzo Salimbeni Zu Weihnachten in Siena, Italien Redaktionelles Foto


Reiseinformationen Italien und Vatikan

Reiseinformationen Italien und Vatikan


Toskana, italien, alte stadt Fotos und

Toskana, italien, alte stadt Fotos und Bildmaterial in hoher


Monte dei paschi di siena hauptsitz

Monte dei paschi di siena hauptsitz Fotos und Bildmaterial in hoher


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Monte dei Paschi Älteste Bank der Welt vor ungewisser Zukunft LIFEMAG


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Italienische Bankenfusion Monte dei Paschi plant Übernahme von Mediobanca


Monte dei Paschi Älteste Bank der

Monte dei Paschi Älteste Bank der Welt in


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Siena (Galerie) Italien Architekturforum Architectura Pro Homine


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Monte dei Paschi Schicksal der italienischen Bank ungewiss Nau.ch


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Die Banca Monte dei Paschi di Siena (MPS) ist ein italienisches Kreditinstitut mit Sitz in Siena. Sie wurde 1472 gegründet und gilt als die älteste existierende Bank der Welt. Die MPS-Aktie wird an der Borsa Italiana im Leitindex FTSE MIB gehandelt. Die Zentrale befindet sich im historischen Palazzo Salimbeni in Siena. Das Bankhaus besitzt bedeutende Kunstsammlungen des 14. bis 19.. Die 1472 gegründete Bank – noch bevor Kolumbus nach Amerika aufbrach – hat in ihrer 554-jährigen Geschichte die Pest, die Napoleonischen Kriege und eine staatliche Rettung 2017 überstanden. Nun befindet sich Monte dei Paschi di Siena (MPS) im Zentrum des größten Bankdeals in der italienischen Geschichte.

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